Islam und Wissenschaft von S. B.

Liebe Gäste, liebe Brüder. Ich möchte euch auch herzlich zum
heutigen Vortrag Islam und Wissenschaft“ begrüßen. Ich danke
vorab für die Zeit, die Ihr euch genommen habt.

Vielleicht eine Frage die sich unsere Gäste heute stellen!? Wie ist
dieses Thema entstanden? Ganz einfach. Es war ein Wunsch von
vielen Brüdern und Schwestern unserer Loge „Drei Lichter im Felde“,
den ich sehr gerne und jederzeit nachkomme.

Ich kann so ein weitreichendes Thema „Islam und Wissenschaft“
nicht innerhalb von ca. einer halben Stunde voll umfänglich vortragen.
Dafür ist dieses Thema viel zu umfangreich. Jedoch freue ich mich
euch eine komprimierte Form vorzutragen, die gerne zur einer
anschließenden Unterhaltung bzw. zu einer Auseinandersetzung mit
dieser Thematik animieren soll.

Der Islam ist heute in aller Munde, doch leider oft falsch zitiert und
falsch verstanden.

Anfangen möchte ich mit einer Begriffsdefinition.
Was ist eigentlich der Islam?

Die Muslime nennen ihren Glauben Islam. Das arabische Wort Islam
bedeutet so viel wie „Erlangung von Frieden durch Unterwerfung
unter Gott“.

Das Wort Muslim wird abgeleitet vom Substantiv Islam und bedeutet
„jemand, der durch seine Unterwerfung unter Gott zu
vollkommenem Frieden gelangt ist.“

Die Muslime glauben an den Islam als ewig gültige Botschaft, die Gott
alt seinen Propheten, Friede sei mit ihnen allen, aufgetragen hat und
nicht etwa als neues Bekenntnis, das mit dem Propheten Muhammad
seinen Anfang nahm. Es ist somit keine neue Religion !

Die Muslime glauben an den Einen, ewigen GOTT, der Himmel und die Erde geschaffen hat und alles was existiert. Er ist der Gott Adams, Abrahams, Noah, Josef, Moses und Isa Sohn von Maria (Jesus) , Friede sei mit ihnen allen.

Die Muslime glauben nicht, dass Muhammad der einzige Prophet
war; vielmehr glauben sie, dass er der letzte der Propheten war.

Nun zu eigentlichen Thema: „Islam und Wissenschaft“

Nichts erscheint dem ‚modernen Menschen‘ heute widersprüchlicher
als das Begriffspaar Islam und Wissenschaft!

Wirft man einen Blick auf die islamische Welt der Gegenwart, so
steht diese in Sachen Wissenschaft und Technik zweifelsfrei hinter
der westlichen Welt. Das war aber nicht immer so.

Eine fundierte Auskunft darüber, wie es um die Wissenschaft im
Islam bestellt war & ist, erhält man nur, wenn man die Quellen des
Islam, Qur’an und Sunna (Handlungsweise des Propheten
Muhammed) darüber befragt, welchen Standpunkt der Islam zur
Wissenschaft einnimmt.

Das erste Wort, das Allah Muhammad offenbarte, war: „lies“.

In dieser Sura im Our`an ist von „Schreibschrift“ die Rede, d. h.
bereits die aller erste offenbarte Sura spricht das Lesen und
Schreiben an.

Die Muslime wurden von Anfang an zum Wissenserwerb motiviert.
Schon zur Zeit des Propheten Muhammed begann man mit der
Errichtung von Schulen.

Das islamische Bildungssystem erreichte einen Standard, dem das
Abendland tatsächlich um Jahrhunderte hinterherhinkte.

Bereits im 9. Jahrhundert blühten islamische Universitäten und
waren auch Anziehungspunkt für Europäer.

Während in Europa Bücher als Rarität in den Klöstern unter
Verschluss gehalten wurden, waren die islamischen Bibliotheken mit
Millionen von Büchern angefüllt. Allein die Bibliothek z.B. von
Cordoba (Spanien) hatte einen Bücherbestand von nahezu einer
halben Million.

Zu den Universitäten mit der längsten Vorgeschichte außerhalb
Europas zählen übrigens die Universität Fes in Marokko, die AI-Azhar-
Universität in Kairo, die AI-Mustansiriyya-Universität in Bagdad,
Sankore Madrasah in Timbuktu, die Sungkyunkwan University in
Seoul und die Universität von Istanbul.

Die Universität al-Qarawiyin von Fes in Marokko wurde 859 als
Bildungseinrichtung gegründet.

Sie ist die älteste noch bestehende Bildungseinrichtung der Welt.
Hierfür gab es übrigens eines Auszeichnung von Guiness. (Guiness
World Records: Oldest university)

Quelle http://www.guinnessworldrecords.com/world-
records/3000/oldest-university

Gegründet wurde diese Universität von einer muslimischen Frau
namens Fatima al-Fihri. Sie war Tochter eines wohlhabenden
Geschäftsmannes.

Im 14. Jahrhundert hatte diese Universität ca. 8000 Studenten.

Die Universität von Bologna in Italien wurde im Jahre 1088 gegründet
und ist die älteste in Europa.

Der Islam fordert den Menschen dazu auf, seine Umwelt zu
beobachten und zu studieren, um die eindeutigen Zeichen der Schöpfung darin zu erkennen. Viele Verse aus dem Koran (ca. 1400 Jahre alt) beschreiben Vorgänge aus der Natur, die von der.Schöpfung des Universums bis hin zur Befruchtung der Eizelle durch das Spermium reichen. so heißt es etwa im Qur’an:

„Haben die nicht gesehen, dass die Himmel und die Erde eine Einheit
waren, die Wir dann zerteilten? Und Wir machten aus dem Wasser
alles Lebendige
. „(al-Anbiya‘ (21), Aya:30)

An anderer Stelle sagt Gott (swt):

„Und Wir haben fürwahr den Menschen in seinem Ursprung aus
(den Bestandteilen des) Lehms
erschaffen, dann setzten Wir ihn als
befruchtete Keimzelle an eine geschützte Stätte (die Gebärmutter
).
Dann erschufen Wir aus der Keimzelle ein anhaftendes Blutgebilde
und erschufen aus diesem ein kleines
Fleischgebilde, und hernach
formten Wir in dem Gebilde Knochen und bekleideten die Knoche
n
mit Fleisch.
„(al-Mu’minun, Aya: 12-14)

Qur’an stellen dieser Art dienen nicht primär dazu, dem Menschen
physikalische, biologische und andere Vorgänge zu erklären, sondern
wollen in erster Linie den Beweis der Schöpfung liefern.

Einige dieser Erklärungen konnten zur Zeit der Offenbarung (um ca.
610-632 n. Chr.) nicht vollständig verstanden werden, da die zur
Überprüfung nötigen technischen Mittel nicht zur Verfügung
standen. Doch waren die Muslime nicht minder von ihrer Richtigkeit
überzeugt.

Vor allem die medizinische Forschung erhielt starke Impulse durch
den Islam. So heißt es in einer Überlieferung:

„Allah hat keine Krankheit herabkommen lassen, ohne dass Er für
sie zugleich ein Heilmittel herabkommen ließ.“
(al-Buchari)

Auf der Grundlage dieses Berichts wussten die Muslime, dass es für jede Krankheit auch Heilung gab, die man nur zu finden brauchte.

Infolgedessen erlebte die Medizin unter dem Islam einen
unbeschreiblichen Auftrieb. Neben der hohen Medizinerzahl, vor
allem zur Zeit der Abbasiden, hatte die medizinische Versorgung
einen Standard, welcher mit heutigen Verhältnissen vergleichbar
wäre – die technischen Mittel ausgenommen.

Bereits während des Kalifats von Harun ar- Rasid (786-809) gab es
mobile Kliniken und zahlreiche Krankenhäuser, die der Staat
errichten ließ.

Mittelpunkt der medizinischen Forschung war Bagdad mit seinen ca.
860 Krankenhäusern, deren Lage nach rein hygienischen Aspekten
ausgewählt wurde. Sie waren in unterschiedliche Stationen unterteilt
und besaßen u.a. eine chirurgische Abteilung.

Die Erkenntnisse im Bereich der Astronomie waren ebenfalls
bahnbrechend. Im Koran heißt es:

„Und Er ist es, Der die Nacht und den Tag erschuf und die Sonne und
den Mond. Sie schweben ein jedes (Gestirn) auf seiner Laufbahn.“
(al-Anbiya‘, Aya: 33)

Während das christliche Europa noch das geozentrische Weltbild
vertrat, das die Erde als Weltmittelpunkt darstellt, wussten die
Muslime aufgrund der Aussage im Koran, dass jeder Planet seine
Laufbahn hat.

Durch Beobachtung und exakte Forschung wurde die islamische Himmelskunde für Jahrhunderte zur führenden Astronomie der Welt. Die Muslime entwickelten die verschiedensten und zudem genauesten Beobachtungs- und Messgeräte und Sternkarten.

Die Astronomie stellte einen wichtigen Bereich für die Muslime dar da man zur Verrichtung des Gebets die Himmelsrichtungen kennen musste, vor allem zu einer Zeit, als der islamische Staat immer größer wurde. Die astronomischen Erkenntnisse waren so zahlreich, dass sie sich kaum aufzählen lassen.

Einer der herausragenden Astronomen war Muhammad ibn Musa.

Es gab keinen wissenschaftlichen Bereich, in den die Menschen unter
islamischer Herrschaft nicht vordrangen. AI-Hasan Ibn al-Haitam
erforschte z.B. die Optik. Auf seinem Werk Opticea thesaurus gründet
alle Optik. Er experimentierte mit einer Art Lochkamera, dem
Urmodell der Photographie.

Fälschlicherweise gilt Leonardo da Vinci als Erfinder der Lochkamera,
der Pumpe, der ersten Flugmaschine und der Drehbank. Seine
Konstruktionen sind jedoch nachweislich vom Werk al-Hasans Ibn al-
Haitarn
abhängig, der auch als Alhazen bekannt ist und etwa fünf
Jahrhunderte vor Leonardo da Vinci gelebt hat.

Die führende Stellung in den Wissenschaften ist noch heute an der
arabischen Vorsilbe al- bei grundlegenden Fachbegriffen wie Algebra,
Alchemie, Alkohol und Alkalien erkennbar.

Aber auch z.B. die folgenden Wörter sind arabischen Ursprungs:

Admiral, Arsenal, Artischocke, Elixier, Giraffe, Havarie, Kadi, Karaffe,
Makaber, Magazin, Matratze, Mokka, Monsun, Razzia, Schachmatt,
Sofa, Tarif, Ziffer und Zucker.

(http://de.wikipedia.org/wikijListe_deutscher _ WC3B6rter _aus_
dem _ Arabischen)

Ich möchte Ihnen aber gerne noch ein paar großartige arabische
Wissenschaftler und deren Erfindungen kurz vorstellen. Diese sind
leider in Vergessenheit geraten:

In der Medizin:

Hunayn ibn Ishaq, latinisiert Johannitius (809-874), christlich-
arabischer Mediziner, Geschichtsschreiber, mit Übersetzungen des
Aristoteles, Hippokrates und Galenos sowie durch bedeutende
Bücher über die Einführung in die Medizin und Augenheilkunde
bekannt geworden.

Hunayn ibn Ishäq war auch Autor von etwa 100 eigenen Büchern,
insbesondere zu erwähnen sind die Bücher über Augenheilkunde und
das Griechisch-Syrische Wörterbuch.

Sein Steinbuch (auch Steinbuch des Aristoteles) gehört zu den
ältesten erhaltenen Chemie-Büchern und die älteste arabische
Handschrift über Mineralogie und baut auf arabischen und
spanischen Gelehrten auf.

Es werden rund 70 Mineralien beschrieben und die Gewinnung von
Metallen beschrieben (Gold, Silber, Blei, Kupfer, Herstellung von
Messing, Quecksilber). Er benennt Quecksilber und Grünspan als
Gifte.

Ohne die Übersetzungsarbeiten von Hunayn ibn Ishaqs, aber auch
durch seine eigenen Bücher (z. B. die medizinische Isagogik „zur
Einleitung gehörig“ nach Galen und die Augenheilkunde) wären die
Werke der antiken Wissenschaften der Nachwelt nicht erhalten
geblieben und das damalige Wissen nicht erweitert worden.

Durch die von ihm geprägten Fachtermini wurde die arabische
Sprache erst zur Wissenschaftssprache. Seine
Übersetzungsmethoden sind bis heute anerkannt.

Abu Bakr Muhammad ibn Zakariya ar-Razi,

latinisiert Rhazes (865-925L persischer Universalgelehrter.
unterschied als erster zwischen Pocken und Masern, kannte
Gipsverbände zur Heilung von Knochenbrüchen. Sein medizinisches
Werk blieb bis zum 17. Jahrhundert unangefochten.

Er wurde bekannt als Autor zahlreicher medizinischer Bücher, die
sehr lange zum Medizinstudium benutzt wurden. Als einer der ersten
konzentrierte er sich auf die psychischen Seiten der Medizin und der
Heilung und dachte sich das Verhältnis von Leib und Seele als von der
Seele bestimmt. Ein Mediziner sollte seiner Meinung nach auch ein
guter „Seelenarzt“ sein.

Da er sehr viele Experimente machte und fast alle seine Aussagen,
vor allem in der Medizin, selbst erprobte, gilt er als großer Empiriker.

Fünf Urprinzipien sind nach AI-Razis Metaphysik in der Welt ewig und
von Anfang an:

•        Ein Schöpfer(gott), auch „vollkommener Intellekt“ genannt, der

Mitleid und Barmherzigkeit hat

•        Die ewige Materie, welche unstrukturiert ist und aus Atomen

besteht

•        Die absolute und ewige Zeit (in der geschaffenen Welt aber

relative Zeit)

•        Der absolute und ewige Raum (in der geschaffenen Welt aber

relativer Raum)

•        Die Universalseele. nach Vollkommenheit strebend

•        (er hätte Freimaurer sein können )

 Ibn Sina (um 980 – 1037) latiniert Avicenna, war ein persischer Arzt,Physiker, Philosoph, Jurist, Mathematiker, Astronom, Alchemist und Musiktheoretiker aus Chorasan in Zentralasien.

Er zählt zu den berühmtesten Persönlichkeiten seiner Zeit und hat
insbesondere die Geschichte und Entwicklung der modernen Medizin
auch maßgeblich geprägt. Einige seiner philosophischen
Ausarbeitungen wurden von späteren Mystikern des Sufismus
rezipiert.

Es wird behauptet, dass Ibn Sina 21 Haupt- und 24 Nebenwerke in
Philosophie, Medizin, Theologie, Geometrie, Astronomie und
anderen Gebieten vollendet hat. Andere Autoren schreiben Ibn Sina
99 Bücher zu: 16 über Medizin, 68 über Theologie und Metaphysik,
11 über Astronomie und 4 über das Drama.

Der Qänün at-Tibb (Kanon der Medizin) ist das bei weitem
berühmteste von Ibn Sinas Werken. Das Werk ist mehrfach unterteilt.
Die Hauptunterteilung sind die fünf Bücher:

1.        Allgemeine Prinzipien (Theorie der Medizin)

2.        Alphabetische Auflistung von Medikamenten (Arzneimittel und

ihre Wirkungsweise)

3.        Krankheiten, die nur spezielle Organe betreffen (Pathologie und

Therapie)

4.        Krankheiten, die sich im ganzen Körper ausbreiten (Chirurgie

und Allgemeinkrankheiten)

5.        Produktion von Heilmitteln (Antidotarium)

Im Qänün wird beschrieben, dass Tuberkulose ansteckend ist und
dass Krankheiten von Wasser und Erde übertragen werden können.

Er gibt eine wissenschaftliche Diagnose von Hakenwurmbefall. Er beschreibt die Bedingungen des Auftretens von Eingeweidewürmern.

Der Qänün behandelt die Wichtigkeit von Diäten, den Einfluss des
Klimas und der Umwelt auf die Gesundheit und den chirurgischen
Gebrauch von oraler Anästhesie.

Ibn Sina rät Chirurgen, Krebs in seinen frühesten Stadien zu
behandeln und sicherzustellen, dass alles kranke Gewebe entfernt
worden ist. Des Weiteren wird die Anatomie des Auges richtig
beschrieben, und es werden verschiedene Augenkrankheiten (wie
Katarakt „grauer Star“) beschrieben.

Außerdem werden Symptome ansteckender und sexuell
übertragbarer Krankheiten genannt sowie auch diejenigen von
Diabetes mellitus. Das Herz wird als Pumpe aufgefasst.

Die Materia Medica („Medizinisches Material“] des Qänün enthält
760 Medikamente mit Angaben zu deren Anwendung und
Wirksamkeit. Ibn Sina war der erste, der Regeln aufstellte, wie ein
neues Medikament zu prüfen sei, bevor es Patienten verabreicht
wird.

In der Mathematik

Durch die Verwendung der indischen Zahlen (Dezimalzahlen) löste
der persische Mathematiker Muhammad ibn Musa al-Chwarizmi
(780-846) eine Revolution der Rechenmethoden aus.

Er war ein choresmischer Universalgelehrter, Mathematiker,
Astronom und Geograph während der abbasidischen Blütezeit, der
den größten Teil seines Lebens in Bagdad verbrachte und dort im „Haus der Weisheit“ tätig war. Von seinem Namen leitet sich der Begriff Algorithmus ab.

AI-Chwarizmi gilt als einer der bedeutendsten Mathematiker, da er
sich – anders als etwa Diophant von Alexandrien – nicht mit
Zahlentheorie, sondern Algebra als elementarer Untersuchungsform
beschäftigte.

Auch leistete er bedeutende Beiträge als Geograph und Kartograph,
dies auch durch Übersetzungen aus dem Sanskrit und dem
Griechischen.

In seinem Werk „Über das Rechnen mit indischen Ziffern“, um 825″
stellte al-Chwarizmi die Arbeit mit Dezimalzahlen vor und führte die
Ziffer Null (arab.: sifr) aus dem indischen in das arabische
Zahlensystem und damit in alle modernen Zahlensysteme ein.

Die lateinische Fassung dieser Schrift trug den Titel Algorismi de …
(„Das Werk des al-gorismus über … „). Daraus entstand die
Bezeichnung „Algorithmus“, mit der generell genau definierte
Rechenverfahren gemeint sind.

Im Jahr 830 schloss er die Arbeit an dem Buch („Rechnen durch
Ergänzung und Ausgleich“) ab. Es ist eine Zusammenstellung von
Regeln und Beispielen. Sein – für die damalige Zeit ungewöhnliches-
systematisch-logisches Vorgehen gab den Lösungsansätzen linearer
und quadratischer Gleichungen eine völlig neue Richtung, nämlich
der geometrischen Bearbeitung dieser Gleichungen, was zu einer
neuen Form von Verständnis für diese Aufgabenklasse führt.

Diese „bildhafte“ Darstellung mathematischer Probleme macht das
Thema nicht nur greifbarer, sondern führt zu einer Art der
Erkenntnisgewinnung, welche für „Laien“ weitaus nachvollziehbarer
ist.

Die Leistung besteht also auch darin, dass er damit ein sehr effizientes mathematisches“ Werkzeug“ geschaffen hat. Das Buch wurde vom 12. Jahrhundert an mehrfach ins Lateinische übersetzt; dabei wurde der Begriff „Algebra“ aus dem Titel dieses Werkes (algabr) abgeleitet. Es hatte großen Einfluss auf die Mathematik im Vorderen Orient und dann auch auf die weitere Entwicklung im Westen.

Bedeutende Entdeckungen im Bereich der Trigonometrie (Sinussatz,
Tangentenregel) machte der persische Gelehrte Abu I-Wafa al-
Buzdschani (940-998). Er übersetzte zudem Ptolemäus‘ Hauptwerk
Almagest ins Arabische.

Er war ein herausragender persischer Mathematiker und Astronom
des Mittelalters, welcher mehrere Bücher über angewandte
Mathematik schrieb, verschiedene bedeutende trigonometrische
Entdeckungen machte und mittlerweile verloren gegangene
Kommentare zu den Werken von Euklid, Diophant von Alexandrien
und al-Chwarizmi verfasste.

Am bekanntesten ist Abu I-Wafa aber für den ersten Gebrauch der
Tangensfunktion, und für die Erstellung von Tabellen für die sechs
trigonometrischen Funktionen in 15′-lntervallen (entspricht einem
Viertel Grad).

Die angegebenen Werte sind auf acht Dezimalstellen genau (zum
Vergleich: Ptolemäus‘ Werte waren nur auf drei Nachkommastellen
exakt). Er führte auch die Funktionen des Sekans und Kosekans ein,
und nahm moderne mathematische Entwicklungen vorweg, als er
vorschlug die trigonometrischen Funktionen über den Einheitskreis
zu definieren.

Diese Ausarbeitungen wurden von al-Wafa im Rahmen seiner
Untersuchung der Mondumlaufbahn vorgenommen.

AI-Biruni (973-1048) war ebenfalls einer der größten Universalgelehrten des Mittelalters.

Er war der erste islamische Wissenschaftler, der sich mit der
brahmanischen Wissenschaft beschäftigte und darüber im Kitab al-
Hind umfassend berichtete.

Eine kleine Begriffsdefinition zu Brahmanismus:

Als Brahmanismus wird die Religion die in Indien ca. 800 v. Chr. bis
500 v. Chr. dominierend war, bezeichnet. Hinduismus, Jainismus und
Buddhismus haben ihre Wurzeln im Brahmanismus
.

Er übersetzte zahlreiche arabische und griechische Werke ins
Sanskrit, darunter die Elemente des Euklid. 1023 ermittelte er mit
einem von ihm erfundenen neuen Messverfahren den Radius der
Erdkugel zu 6339,6 km.

Der Radius am Äquator der Erde beträgt tatsächlich 6378,1
Kilometer. Somit bestimmte al-Biruni den Radius der Erde am Ufer
des Kabulflusses – damals Indus genannt -, ziemlich genau.

AI-Biruni konstruierte das erste Pyknometer. Damit bestimmte er die
Dichte von Festkörpern oder Flüssigkeiten durch Wägung.

In der Philosophie

Ibn Ruschd, latinisiert Averroes, zählt neben al-Biruni zu einem der
größten Universalgelehrten des Islam. Geboren ist er am 14. April
1126 in C6rdoba; t 10. Dezember 1198 in Marrakesch.

Er verfasste eine medizinische Enzyklopädie und fast zu jedem Werk
des Aristoteles einen Kommentar. In der christlichen Scholastik (
wissenschaftliche Denkweise und Methode der Beweisführung) des
Mittelalters, auf die er großen Einfluss ausübte, wurde er deshalb schlicht als „der Kommentator“ bezeichnet, so wie Aristoteles nur „der Philosoph“ genannt wurde.

Averroes sah in der Logik die einzige Möglichkeit des Menschen,
glücklich zu werden. Die Logik (nach Aristoteles) lieferte für ihn die
Möglichkeit, aus den Daten der Sinne zur Erkenntnis der Wahrheit zu
kommen. Die Logik war für ihn das Gesetz des Denkens und der
Wahrheit.

Ibn Ruschd bekam den Auftrag, alle Werke des Aristoteles neu zu
ordnen und zu kommentieren, um dem Islam »rein und vollständig
die Wissenschaft« zu geben.

Er führte ein vielfältiges Leben, so war er 1169 Richter in C6rdoba
und Sevilla und 1182 wurde er Leibarzt des Kalifen Abu Yaqub.
Jedoch hielt er auch diese Stellung nur kurz und wurde wieder
Richter in seiner Heimatstadt.

Das alle spanisch-arabischen Philosophen kennzeichnende Merkmal
der ungünstigen politischen Verhältnisse zu jener Zeit traf auch für
Ibn Ruschd zu, die islamischen Herrscher bedurften ihrer nicht als
vielmehr der Unterstützung durch Theologen.

Ibn Ruschd war ein offener und kritischer Geist seiner Zeit. In seiner
Beschäftigung mit Aristoteles ging er so systematisch wie nur möglich
voran und interpretierte ihn wie niemand zuvor. Er schrieb
Kommentare in mehreren Abstufungen, kürzere, mittlere und
größere und machte sich als Kommentator des Aristoteles einen
Namen.

Aristoteles ist dabei für Ibn Ruschd der vollkommenste Mensch, der
im Besitze der unfehlbaren Wahrheit gewesen sei und sich den
Menschen aber nur einmalig gezeigt habe.

Seine eigene Philosophie baut sehr auf Logik auf, wie es von einem großen Aristoteliker auch nicht anders zu erwarten wäre. Sie beginnt zunächst mit der Frage, ob man überhaupt philosophieren dürfe, ob es vom religiösen Gesetz her erlaubt, verboten, empfohlen oder notwendig sei.

In Koran-Versen wie »Denkt nach, die ihr Einsicht habt!« findet Ibn
Ruschd nicht nur die Aufforderung an die Muslime, über ihren
Glauben nachzudenken, sondern auch, die bestmögliche Beweislage
für ihr Denken zu finden, und diese sieht er eindeutig in der
Philosophie und zumal in der aristotelischen Beweisführung gegeben.

Aber auch Ibn Ruschd schränkt ein, dass nicht alle Menschen sich
mit Philosophie beschäftigen können, sondern nur jene, die einen
starken Intellekt besitzen.

AI-Kindi, deutsch auch: Alkendi; * um 800 in Kufa; t 873 in Bagdad],
war ein arabischer Philosoph, Wissenschaftler, Mathematiker, Arzt
und Musiker.

Philosophiegeschichtlich wichtig ist er – neben eigenen Beiträgen –
auch wegen seiner Übersetzungstätigkeit. In Bagdad ließ er
zahlreiche Schriften u.a. von Aristoteles, Platon, Alexander von
Aphrodisias und Johannes Philoponos ins Arabische übersetzen.

Besonders Aristoteles naturphilosophische Schriften wurden von ihm
rezipiert. Seine Abhandlung über den Intellekt wurde über
Jahrhunderte von arabischen und lateinischen Intellektuellen breit
rezipiert. Auch theologische Debatten wurden von seinen Konzepten
beeinflusst.

Seine eigentliche Philosophie war zunächst auf der Mathematik
aufbauend; es finden sich Zahlenspiele in seinen Schriften.

Nach ihm konnte niemand „Philosoph“ werde, ohne nicht Mathematik beziehungsweise Logik studiert zu haben.

Anbei eine Definition von AI-Kindi die zum Denken anregen soll:

Die Welt ist auch aus seiner Sicht ein Werk Gottes, dessen Wirken
von oben nach unten vermittelt wird: alles Höhere wirkt auf das
Niedere ein, nicht aber das Verursachte auf seine (über ihm auf der
Stufe des Seins stehende) Ursache.

So entsteht eine durchgehende Ursächlichkeit in der Welt, deren
Erkenntnis es ermöglicht, Zukünftiges vorherzusagen. Die Welt
besteht aus dem (göttlichen) Geist, der (materiellen) Körperwelt
und der Seele, die sich dazwischen befindet.

Die menschliche Seele ist ein Ausfluss dieser Weltseele, daher in
ihren Wirkungen an den Körper gebunden, ihrem geistigen Wesen
nach aber unabhängig.

Die Seele ist in die Sinnenwelt herabgekommen, mit einer Ahnung
ihres ursprünglichen Zustands und findet sich daher hier nicht
heimisch.

Erlösung kann sie erst wieder im Aufstieg in die geistige Welt
finden, wo alle ihre Bedürfnisse befriedigt werden.

Dafür muss sie sich indes von allen materiellen und körperlichen
Begierden befreien –

hier finden also wieder deutliche islamische Elemente Einzug.

Ein weiteres wichtiges Werk KindTs sind die Definitionen der Begriffe.
Wie erwähnt korrigierte er die von ihm in Auftrag gegebenen
Übersetzungen immer selbst. Unter anderem entstand dabei auch
eine Schrift über die Definition des Begriffs „Philosophie“, die seine Philosophie auch wesentlich charakterisieren. Es ist eine Definition von sechs Gesichtspunkten:

•          Etymologisch ist Philosophie die „Liebe zur Weisheit“

•          Philosophie ist das Bemühen, sich den göttlichen Taten

anzugleichen und zwar nach Maßgabe des menschlichen Vermögens
(Wovon handelt die Philosophie?)

• Philosophie ist die Sorge um den Tod, nämlich zum einen die
Sorge um den Austritt der Seele aus dem Körper und zum anderen
die Sorge um das Abtöten der Begierde (Ziele der Philosophie)

•          Philosophie ist die Kunst der Künste und die Weisheit der

Weisheiten (Ursprung der Philosophie)

•          Philosophie ist die Kenntnis der ewigen Universalien, ihres

Wesens und ihrer Ursachen, soweit dies dem Menschen möglich ist
(Philosophie aus dem Lesen)

•        Die Dinge sind entweder körperlich oder unkörperlich. Der

Mensch besteht aber aus Körper, Seele und Akzidenzia (Attributen)
und die Seele nachher besteht aus Substanz. Um seine Substanz zu
kennen, muss der Mensch sich selbst erkennen. Erkennt der
Mensch alle seine drei Bestandteile, erkennt der die ganze Welt
(Philosophie als Selbsterkenntnis des Menschen)

•          (Auch AI-Kind i hätte Freimaurer sein können)

 

Zum Ende meines Vortrages möchte ich gerne den Wissenschaftler George Sarton rezensieren ( 1884 bis 1956). Er war ein in Belgien geborener US-amerikanischer Naturwissenschaftshistoriker.

„Wir können uns fragen, was Leute wie Gauß oder Faraday gemacht
hätten, wenn Sie im 8. Oder 9 Jahrhundert geboren wären und nicht
auf die Bemühungen der Menschen aus weiteren 1000 Jahren hätten
zurückgreifen können“

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!!!

Quellen

•         Wikipedia.

•         Jim AI-Khalili (Im Haus der Weisheit)

•          http://www.islam-guide.com/de/frm-chl-l.htm

•           http://www.islamisches-zentrum-muenchen.de

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