– Mitleid und Mitgefühl von W.S.

Mitlied und Mitgefühl

Sehr verehrte Gäste, liebe Brüder. Ich möchte heute über Mitleid und Mitgefühl reden und vorerst auf das Mitleid eingehen.

Mitleid, das heißt mit jemanden mitleiden. Bereits in der Antike gab es den Begriff,  Aristotelles definierte Mitleid wie folgt: „Mitleid sei definiert als eine Art Schmerz über ein anscheinend leidbringendes Übel, das jemanden trifft, der es nicht verdient, ein Übel, das erwartungsgemäß auch uns selbst oder einen der Unsrigen treffen könnte.  Denn es ist klar, dass derjenige, der Mitleid empfinden soll, gerade in einer solchen Verfassung sein muss, dass er glaube, er selbst oder einer der Seinen würde ein Übel erleiden. Ferner haben wir Mitleid mit denen, die uns bezüglich Alter, Charakter, Gewohnheiten, sozialer Stellung und Herkunft ähnlich sind .“ In der Tragödie nach Aristoteles sind phobos und eleos, furcht und Mitleid, nötig um die Katharsis, daher eine Reinugung  zu erfahren.

Im Gegensatz dazu lehnte die stoische Philosophie Mitleid als solches ab, da sie dem Ziel der Apatheia wiedersprach. Seneca, ein römischer Philosoph der im ersten Jahrhundert nach Christi gelebt hatte, schrieb dazu: „Der Weise […] fühlt kein Mitleid, weil dies ohne Leiden der Seele nicht geschehen kann. Alles andere, das meiner Ansicht nach die Mitleidigen tun sollten, wird er gern und hochgemut tun: zu Hilfe kommen wird er fremden Tränen, aber sich ihnen nicht anschließen; reichen wird er die Hand dem Schiffbrüchigen, […] dem Armen eine Spende  geben, aber nicht eine erniedrigende, wie sie der größere Teil der Menschen, die mitleidig erscheinen wollen, hinwirft und damit die verachtet, denen er hilft.“

In der christlichen Heilslehre hingegen ist Mitleid ein zentralles Element. Mitleid ist dabei die Vorraussetzung für die Barmherzigkeit und damit ein Bestandtteil tätiger Nächstenliebe. So schätzten auch viele Kirchenväter Mitleid positiv ein, so wie Augustinus von Hippo in seinerm Werk de civitate die „Vom Gottesstaat“: „Was aber ist Mitleid anderes als das Mitempfinden fremden elends in unserem Herzen, durch das wir angetrieben werden zu helfen, so weit wir können?“.

Ich kann nicht sagen in wie weit die Philosophen der Antike Mitleid als eine natürlich Eigenschaft des Menschen betrachteten, im Gegensatz zum Christentum, in dem der Mensch erst durch die Erfahrung Gottes Barmherzigkeit selbst nach diesem Motiv handelt.

Erst im 17ten und 18ten Jahrhundert erfährt das Mitleid eine andere Darstellung und eine intensivere Betrachtung. So schreibt Benedictus de Spinoza, ein niederländischer Philosoph „Mitleid ist bei einem Menschen, der nach der Leitung der Vernunft lebt, an sich schlecht und unnütz“.  Das Mitleiden an sich ist also schlecht und die Handlung daraus soll aus Vernunft folgen,  da sie Geboten ist.

Erst um diese Zeit herum entstand durch die Arbeiten von David Hume und Adam Smith die Theorie der Sympathy, das heute vergleichbar mit dem heutigen Wort der Empathie beziehungsweise des Mitgefühls ist. Dabei haben beide Wörter griechische Wurzeln, Mitgefühl  wird dabei aus aus syn also mit und path also fühlen gebildet. Sowohl Hume als auch Smith teilten die Auffassung das Mitleid der menschlichen Natur ist und das man durch die eigene Einbildungskraft eine Vorstellung von den Gefühlen des anderen bekommen kann.

Das kommt unserem Begriff der Empathie sehr nahe und es wird deutlich das beide Mitleid als ein Teil von Mitgefühl verstehen.

Jean-Jacques Rosseau nun hat einen weiteren Stein gelegt für unsere moderne Vorstellung von Empathie. Dazu schreibt er in seiner Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen: „Es ist also gewiß, daß das Mitleid ein natürliches Gefühl und der wechselseitigen Erhaltung des ganzen Geschlechts zuträglich ist, indem es bei jeder einzelnen Person die Wirksamkeit der Eigenliebe mäßigt. Diese Empfindung bringt uns dazu, daß wir einem jeden Leidenden ohne Überlegung Hilfe leisten; sie vertritt in dem Stande der Natur die Stelle der Gesetze, der Sitten und der Tugend, und hat noch dieses voraus, daß niemand in Versuchung kommt, ihrer süßen Stimme den Gehorsam zu versagen.“

So weit so gut, man kann also Mitleid als ein Teil des Mitgegühls, der Empathie betrachten. Betrachtet man dazu das, was die Neurowissenschaften dazu sagen, könnte man der Aussage zustimmen.

Seit einigen Jahren wird nun über die Spiegelneuronen debattiert. Spiegelneuronen sind Nervenzellen beim Beobachten eines Vorgangs die selben Aktivitäten im Gehirn aufweisen, die auch entstehen würde wenn der Vorgang nicht bloß beobachtet, sondern selbst durchgeführt werden würde. Man vermutet nun das diese Gehirnzellen einen nicht unerheblichen Beitrag leisten zur Empathiefähigkeit. Etwas Trivia am Rande, man vermutet auch dass, das unzureichende funktionieren der Neuronen mit Autismus zusammen hängt.

Paul Ekman, ein amerikanischer Psychologe, gibt da eine wunderbares Unterscheidungsmerkmal für Mitleid und Mitgefühl: „Kognitive Empathie lässt uns erkennen, was ein anderer fühlt. Emotionale Empathie lässt uns fühlen, was der andere fühlt, und das Mitleiden bringt uns dazu, dass wir dem anderen helfen wollen.“

Weiter noch sind nach Ekman weder Mitleid noch Mitgefühl eigentliche Emotionen sondern bloße Reaktionen auf  die Emotionen eines anderen Menschen.

Meinen Vortrag möchte ich noch mit einem Zitat beenden,das ich erst kürzlich gelesen habe. Es heißt: „Klar sieht, wer aus der Ferne sieht, Nebelhaft sieht, wer anteil nimmt.“ Und stammt von Laotse.

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