Wissen von A.P. vorgetragen am 14. Mai 2014

Vortrag gehalten am 14. Mai 2014  bei einem Gästeabend der Berliner Freimaurerloge  „Drei Lichter im Felde“ 

Verehrte Gäste, liebe Schwestern und liebe Brüder,

heute möchte ich mit Ihnen und euch über einen Begriff diskutieren, der unser ganzes Leben bestimmt: Es geht um Wissen und ich freue mich, auf eine angeregte Diskussion im Anschluss.

Wissen gehört zu den Dingen, denen wir im Leben nicht entkommen können. Es kann definiert werden als der rationale Kenntnis oder Besitz von objektiv bzw. subjektiv als wahr zu klassifizierenden Erfahrungen. Als Synonyme für Wissen sind auch Kenntnisse bzw. Kenntnis, Gelehrsamkeit und Bewusstsein (von etwas) zu nennen.

Bei der Definition von Wissen unterscheidet man zwischen individuellem und kollektivem Wissen, sowie zwischen implizitem und explizitem Wissen. Individuelles Wissen wird durch Kommunikation mit anderen Menschen zu kollektivem Wissen, aber der Übergang von implizitem zu explizitem Wissen erfordert Reflexion.

Implizites Wissen wird definiert als nicht bewusstes Wissen. Hierzu zählen dabei auch intuitives Wissen, subjektive Einsichten und nicht mehr hinterfragte Erfahrungen. Explizites Wissen ist im Gegensatz dazu bewusstes Wissen, das in dokumentierter Form vorliegt. Dieses kann verwaltet und zugänglich gemacht werden. Beispiele wären Bücher, Software und Patente.

Der Schritt von implizitem zu explizitem Wissen ist zentral im Prozess der Wissensgewinnung. Leider scheitert dies oft an Motivation oder Zeitmangel. Hinzu kommt, dass wir heute von unnützem wie nützlichem Wissen geradezu überflutet werden, denn wir leben in der sogenannten Informationsgesellschaft.

Sie ist durch eine Zunahme der Informationsdichte, der Informationskanäle und der Informationsvielfalt geprägt. Der Begriff ist somit nicht nur Zustandsbeschreibung, sondern zugleich auch Ausdruck einer gesellschaftlichen Dynamik, deren Ende derzeit nicht in Sicht ist. Woher kommt das? Und warum haben diese Quantensprünge in vorhandenem Wissen ausgerechnet in Westeuropa ihren Ursprung? Um die Anfänge der Informationsgesellschaft zu finden, müssen wir uns bis ins Zeitalter der Aufklärung zurückbegeben. Seit ca. 1650 ist die Menge an nützlichem Wissen stetig gewachsen.

Der amerikanische Ökonom Joel Mokyr hat diesbezüglich eine interessante Theorie formuliert. Zum einen änderte sich zu dieser Zeit die Definition der Nützlichkeit von Wissen. Während man zuvor das vorhandene Wissen oft um seiner selbst willen konserviert und nur zögerlich weitergegeben hatte, diente es nun immer stärker dem konkreten Fortschritt im täglichen Leben. Diese Neuorientierung der Wissenschaft wird vor allem durch die Forschung von Sir Francis Bacon symbolisiert, der die Formel „Wissen ist Macht“ geprägt hat und dessen wissenschaftliche Arbeit stets zweckorientiert war.

Zum zweiten aber sanken in dieser Zeit die Kosten für den Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, denn die Methoden zur Speicherung und Verbreitung von Wissen hatten sich gegenüber dem Mittelalter extrem verbessert. Verdeutlicht wird dies zum Beispiel durch die wissenschaftlichen Zeitschriften, deren Zahl allein in England von wenigen Dutzend im Jahr 1650 auf über deutlich über 500 um 1800 hochschnellte. Somit hatten andere Gelehrte die Gelegenheit, anderswo vorhandenes Wissen zu lesen, kritisch zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Doch inwieweit hängt das mit der Aufklärung zusammen?

Mokyrs Argument ist folgendes: Im Lauf der Geschichte haben Herrscher stets versucht, neue Ideen zu unterdrücken, um den status quo  und damit vor allem die eigene Macht zu erhalten – die von neuen, revolutionären Gedanken bedroht war. In großen, weitläufigen Reichen hatten Querdenker somit schlechte Karten. Wenn wir uns aber Westeuropa im späten 17. und im 18. Jahrhundert ansehen, werden wir feststellen, dass Europa in eher kleine politische Einheiten fragmentiert war. Eine durchsetzungsstarke, übergeordnete Autorität fehlte, zudem kam es immer wieder zu oft gravierenden politischen und territorialen Verschiebungen.

Umtriebige Intellektuelle und Gelehrte hatten es somit einfacher, sich zwischen verschiedenen Fürstentümern hin- und her zu bewegen und – wenn nötig – ein Regime gegen das andere auszuspielen. Wenn man sich Daten aus dieser Zeit ansieht, stellt man fest, dass viele Wissenschaftler im Zeitalter der Aufklärung extrem mobil waren – in späteren Jahrhunderten hingegen nahm diese Mobilität ab, obwohl die Kosten für Reisen rapide sanken. Aus diesem Rückgang der Mobilität kluger Köpfe lässt sich eine zunehmende Toleranz neuer Ideen in Westeuropa herauslesen.

Folglich ist es besonders in dieser Weltregion in den letzten 350 Jahren zu einer ständigen Zunahme des nützlichen Wissens gekommen – in Form von bislang sechs entscheidenden Innovationswellen, die jeweils unsere Welt entscheidend verändert haben. Die erste Innovationwelle begann um 1785 mit der Erfindung der Dampfmaschine, der Wasserkraft, einer Zunahme des Handels und dem Erblühen der Textilindustrie. Die zweite Welle folgte dann ab ca. 1845 mit der Eisenbahn, einem weitgehenden Einsatz von Dampfkraft und der industriellen Verarbeitung von Baumwolle. Um 1900 folgte die dritte Welle entscheidender Innovationen mit der Erfindung von Elektrizität und dem Verbrennungsmotor, der die Transportsysteme revolutionierte. Ab 1950 förderten Luft- und Raumfahrt und komplexe elektronische Geräte in einer vierten Innovationswelle das menschliche Wissen. Die fünfte Welle folgte in den Neunzigerjahren mit digitalen Netzwerken, Biotechnologie, Software und Informationstechnologie – wir sind angekommen im Zeitalter der Informationsgesellschaft. Und aktuell zeichnet sich bereits die nächste, sechste Welle bahnbrechender Innovationen ab: Es bleibt abzuwarten, welchen Einfluss nachhaltige Wirtschaftsansätze, radikale Ressourcenproduktivität und grüne Nanotechnologie auf unser tägliches Leben haben werden.

Das interessante an diesen Innovationswellen ist, dass man ihr Aufkommen zwar anhand zahlreicher Erfindungen erkennen kann – doch in den Produktivitätsstatistiken einer Volkswirtschaft tauchen sie erst mit einiger Verspätung auf, denn das neue Wissen muss zunächst massentauglich gemacht werden. Und weil dieser Effekt der sechsten Innovationswelle noch auf sich warten lässt, möchte ich mich hier auf die fünfte konzentrieren und einige Worte zur Informationsgesellschaft sagen, in der wir alle leben.

Sie ist in der Regel mit positiven Begriffen wie Innovation, Bildung, Wohlstand und Transparenz verknüpft.

Vor allem der Siegeszug des Internets wird als Hauptmerkmal und letzter Initialzünder der Informationsgesellschaft hervorgehoben. Zu recht: Es bewegen sich mehrere Milliarden Menschen im Internet. Noch nie war Kommunikation, war der Austausch von Wissen rund um den Globus so einfach wie heute. Etwa 10 Milliarden Emails werden täglich versendet. Das Global Village, das globale Dorf, wird immer mehr Realität.

Durch immer neue und umfassendere Informationsquellen geht die Exklusivität von Wissen in der Informationsgesellschaft verloren. Wissen über Forschung und Technik sind jetzt überall verfügbar und über große Entfernungen billig erhältlich. Im Zeitalter von weltweiter Vernetzung und neuen Medien hat sich die Geschwindigkeit des Austausches und der globalen Verbreitung von Wissen vervielfacht. Es ist für Unternehmen, aber auch Staaten oder Einzelpersonen nahezu unmöglich geworden, sich für mehr als ein paar Jahre einen Technologie- und Wissensvorsprung zu verschaffen.

Die Arbeitswelt ist im ebenfalls im Wandel begriffen. Die Halbwertzeit von Erfahrungs- und Fachwissen ist kürzer geworden. Arbeitnehmer müssen bereit sein umzulernen, wann immer die Situation es erfordert. Die Zeiten, in denen man ausgelernt hatte, sind endgültig vorbei. Lebenslanges Lernen heißt die Devise, denn implizites wie explizites Wissen veraltet und muss immer wieder durch neues ergänzt werden.

Im flexiblen Arbeitsmarkt der Informationsgesellschaft ist nicht nur das Wissen selbst beweglich und ungebunden, mobil und flexibel muss auch der Arbeitnehmer sein. Das hat natürlich Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite haben wir heute die Gelegenheit, fast überall zu leben und zu arbeiten. Andererseits bleiben Heimatverbundenheit und Kontinuität auf der Strecke – und wer mit der rasanten Weiterentwicklung nicht mithalten kann oder möchte, dem droht eine Art „moderner Analphabetismus“. Kurz gesagt: Die Informationsgesellschaft – da ist sich die Wissenschaft weitgehend einig – wird die gesellschaftliche Ordnung mindestens genau so erschüttern, wie der Übergang von der Agrar- in die Industriegesellschaft.

Wie aber kann man nun aus all der Informationsflut das richtige Wissen herausfiltern? Worauf kommt es wirklich an? Das Internet lässt sich insgesamt mit einem Schrotthaufen vergleichen, in dem auch etwas Gold und Perlen versteckt sind. Wie viele Seiten es in diesem Schrotthaufen gibt, weiß kein Mensch mit Sicherheit zu sagen. Der Gründer von „Wired“, Kevin Kelly, geht von mindestens einer Billion Seiten aus – das ist eine eins mit 12 Nullen. Zum Vergleich: Das menschliche Gehirn hat nur knapp über 100 Milliarden Neuronen und kann damit unter keinen Umständen all diese Information verarbeiten, und geschweige denn speichern.

Trotz hervorragendem Zugang zu fast allem Wissen ist der Mensch in der Informationsgesellschaft also zunächst einmal kein Wissender, sondern ein Suchender. Suchmaschinen können da nur sehr begrenzt Abhilfe schaffen, denn man muss erst wissen, wonach man überhaupt suchen soll. Erfolg wird nur haben wer gelernt hat, die verfügbaren Informationen auszuwählen, zu bewerten und zu beurteilen. Erst wenn nützliches gefunden und unnützes abgewehrt ist, kann Wissen entstehen. Kein Computer kann diese Auswahl bislang treffen, es ist und bleibt eine menschliche Leistung.

Diese Leistung ist aber keine natürliche Gabe, sondern sie muss durch Bildung erlernt werden. Der Brockhaus definiert Bildung als bewusste, planmäßige Entwicklung der vorhandenen geistigen und körperlichen Anlagen des Menschen. Bildung besitzt, wer diesen Weg beschritten hat und auch bereit ist, sein Wissen ständig aufzufrischen. Das reine Anhäufen von Wissen ist dabei aber nicht genug – es geht vor allem darum, sich Methoden anzueignen, mit deren Hilfe neues Wissen erschlossen werden kann. Über die richtige Schulbildung wird in den Niederungen der Politik in regelmäßigen Abständen heftig gestritten, sie soll deshalb nicht Gegenstand unserer heutigen Diskussion sein. Doch die Themen Bildung und lebenslanges Lernen haben eine wichtige Schnittstelle mit der Freimaurerei, auf die ich im Folgenden eingehen möchte.

Als Gast nähert man sich der Loge als Suchender – und viele finden uns heute ganz modern über die Webseite, wie man es im Informationszeitalter eben so macht. Aus dem erwähnten Wust des Internets die richtigen Informationen über die Freimaurerei herauszufiltern, gelingt aber nur den wenigsten. Die Gästeabende dienen folglich als erste Orientierung, sie bieten Struktur und die Gelegenheit, Antworten auf erste, drängende Fragen zu erhalten.

Die Freimaurerei bietet Gelegenheit zur Arbeit am rauen Stein, womit eine Entwicklung unserer Persönlichkeit gemeint ist. Dazu gehören auch der Erwerb und die Erweiterung von Bildung. Die Lehre der Freimaurerei ermutigt uns Brüder dazu, die sieben freien Künste der Antike zu studieren. Dazu gehören Grammatik, Rhetorik, Logik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie. Im Englischen sind diese sieben Künste als „liberal arts“ bekannt, das leitet sich aus dem Lateinischen „artes liberales“ ab: liber kann dabei sowohl mit „Buch“ als auch mit „frei“ übersetzt werden. Die Geschichte dieser sieben freien Künste reicht zurück bis in die Antike. Schon die Schüler von Platon, Aristoteles und Pythagoras bildeten sich darin fort.

Warum sollen es nun aber ausgerechnet Grammatik, Rhetorik, Logik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie sein, und nicht andere nützliche Dinge wie etwa Chemie oder Theologie? Wenn wir uns die Reihenfolge der sieben Künste genauer ansehen, wird uns der tiefere Sinn dahinter bewusst werden.

Als Kleinkinder können wir uns nicht ausdrücken und müssen das Sprechen und Grammatik lernen, um Dinge zu beschreiben und unsere Gedanken zu organisieren. Die Sprache ist der erste und wichtigste Baustein des Lernens. Je weiter wir dann auf der gewundenen Treppe des Lebens nach oben steigen, desto eloquenter wird unsere Ausdrucksweise, desto überzeugender, ausgefeilter und logischer werden unsere Argumente  – das sind Rhetorik und Logik. Grammatik, Rhetorik und Logik werden oft auch als das sogenannte Trivium bezeichnet. Das kommt ebenfalls aus dem lateinischen und steht für „drei Pfade“. Im übertragenen Sinne bedeutet es, dass diese drei Künste den Weg in das öffentliche Leben darstellen. Als Freimaurer ist es überdies wichtig, nicht nur zu reden, sondern auch anderen zuzuhören – auch das gehört zur Kunst der Rhetorik.

Im Rahmen unserer Schullaufbahn begegnen wir dann idealerweise den Grundsätzen von Arithmetik, Geometrie und Musik. Diese Disziplinen erfordern abstraktes Denken und ein hohes Maß an Konzentration. In der Arithmetik hängt alles von festen Regeln und einem klaren System ab. Balance und Ausgleich sind Dinge, die wir von der Arithmetik auch auf die Arbeit an uns selbst übertragen können. Auf der Seite einer englischen Loge habe ich eine schöne freimaurerische Anleitung zur Arithmetik gefunden. Sie lautet übersetzt: „Addiere stets Neues zu deinem eigenen Wissen, ziehe niemals etwas vom Charakter deines Nächsten ab, multipliziere deine Güte gegenüber den Mitmenschen und teile deine Mittel mit denen, die Not leiden.

Nummern und Zahlen finden sich oft in der Natur wieder, und ihre ungeheure Präzision hat den Menschen schon immer fasziniert. Als Beispiel sei hier nur die Fibonacci-Folge angeführt, die allerdings auch schon den alten Griechen bekannt war. Darunter versteht man eine unendliche Reihe von Zahlen, bei der die Summe zweier benachbarter Zahlen die unmittelbar folgende Zahl ergibt. Die ersten Zahlen lauten 1,1,2,3,5,8,13… Die Abfolge solcher Zahlen lässt sich in geometrischen Mustern der Natur nachweisen, so etwa zum Beispiel im Gehäuse von Meeresschnecken. Auch der von Menschen entdeckte goldene Schnitt lässt sich in der Natur immer und immer wieder beobachten. Zahlen, so kann man es wohl formulieren, bestimmen unser Leben.

In der Geometrie schließlich lassen sich Struktur und Proportionalität entdecken. Das Wort wird von den lateinischen Begriffen Geos (Erde) und Metric (Vermessung) abgeleitet. Sie ist in der Freimaurerei aber auch ein Synonym für Selbsterkenntnis und ein tieferes Verständnis der Substanz unseres Daseins. Die Werkzeuge der Geometrie sind Kreise, Vielecke und Ebenen. Durch sie lernen wir zu sehen. Einige Ebenen erkennen und verstehen wir nur nach aufmerksamem Studium der ihnen zugrunde liegenden Prinzipien. Ähnlich verhält es sich mit der Freimaurerei, deren Erscheinung und Symbolik auf Außenstehende fremdartig und nichtssagend wirken, während Eingeweihten die höhere Bedeutung in einem Lernprozess schrittweise bewusst wird.

Pythagoras war übrigens nicht nur ein brillanter Mathematiker, sondern auch ein berühmter Theologe. Ziel seiner Forschung war es, Verbindungen zwischen dem Göttlichen und der Geometrie zu finden – ein Motiv, das uns auch in der Freimaurerei häufig begegnet. Wegen ihrer Komplexität wurde die Geometrie nicht nur von Pythagoras als Schlüssel zum Verständnis über das Wirken des Allmächtigen Baumeisters aller Welten gesehen. Nicht zuletzt wird selbst mathematischen Laien – wie meiner Wenigkeit – auffallen, dass manche geometrischen Verhältnisse richtig sind, und andere falsch. Insofern erfahren wir über die Geometrie indirekt wertvolle moralische Lehren – auch dort sollte man in den Grundsätzen keinerlei Relativität zulassen, um die rechte Entscheidung für sich zu finden. Und so wie der Satz des Pythagoras oder andere geometrische Gesetze überall Gültigkeit haben, finden sich auch grundlegende moralische Prinzipien in allen Kulturen der Welt.

Eine weitere Kunst, die uns in der Schule begegnet, ist die Musik. Sie ist aber nichts was wir von Grund auf erlernen müssten, sondern vielmehr ein Teil von uns. Mit dem Herzschlag als Grundrhythmus begleitet sie uns von der Wiege bis zur Bahre. Wer sich mit der Lehre der Musik beschäftigt lernt aber, genauer hinzuhören und zwischen Dur und Moll, vollen und halben Tönen, verschiedenen Rhythmen, Synkopierungen und Melodien zu unterscheiden. Das Erlernen eines Instruments oder die Mitwirkung in einem Chor kann das eigene Bewusstsein schärfen und stärkt nachweislich nicht nur die Motorik, sondern auch das Gehirn. Und nur mit Disziplin und Übung lässt sich die Harmonie erreichen, die wir so sehr schätzen.

Im Laufe unseres Lebens schließlich, mit zunehmender Erfahrung und Reife, wächst die Neugier, noch mehr über die Wunder der Natur zu erfahren. Als letzte der sieben Künste dient die Astronomie dem Blick nach oben, zum Allmächtigen Baumeister aller Welten. Wenn wir uns die Dimensionen von Zeit und Raum vergegenwärtigen, fühlen wir uns klein und unbedeutend. Jeder von uns kennt dieses Gefühl, wenn er schon einmal an einem sternklaren Abend in die Weiten der Milchstraße geblickt hat. Ein solcher Blick fördert Selbsterkenntnis und Bescheidenheit. In der Bibel steht im Buch der Sprüche Salomons: Die Furcht vor Gott ist der Beginn von Weisheit. Durch das Studium von astronomischen Grundsätzen lernen wir viel über den Sinn des Universums – und Respekt vor der Logik, die dahintersteht. Die Erde dreht sich um die Sonne, die Tage sind je nach Jahreszeit unterschiedlich lang, Jahreszeiten wechseln sich ab. Dies und vieles mehr lehrt die Astronomie. Viele berühmte Forscher, wie z.B. Isaac Newton, haben dieser Kunst ihr ganzes Leben gewidmet – mit beeindruckenden Resultaten, von denen die Menschheit noch heute profitiert.

Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie werden als Quadrivium bezeichnet. Übersetzt bedeutet das „vier Wege“. Dort wo vier große Wege zusammentreffen ist das Zentrum einer Stadt. Indem wir die vier erwähnten Künste studieren, begeben wir uns vom grundsätzlichen Level der drei Pfade, die uns den Zugang zu Öffentlichkeit und weiterem Fortschritt erst ermöglicht haben, auf die höhere Ebene der vier Pfade.

Nun ist unsere Lebenszeit begrenzt, und wir werden es kaum schaffen, alle vier höheren Wege bis zur Vollendung zu gehen. Dafür ist das inzwischen verfügbare Wissen zu umfangreich und komplex. Zudem hat jeder Mensch andere Talente und damit nicht denselben Zugang zu allen sieben freien Künsten. Doch wir sollten versuchen, bei unserer Arbeit am rauen Stein allen Disziplinen mit Offenheit zu begegnen und uns in ihnen so weit wie möglich fortzubilden, um bessere Menschen zu werden.

Die Freimaurerei kann sich als Teil der Informationsgesellschaft den technischen Neuerungen nicht verschließen. Positive Aspekte werden demnach auch integriert – so sind etwa verbesserte Kommunikationsmöglichkeiten für die weltweite Bruderkette förderlich, und Suchende nutzen das Internet, um sich zu informieren. Gleichzeitig ist der Bund aber im positiven Wortsinne konservativ und bewahrt die Lehren der sieben freien Künste. Diese Mischung aus Alt und Neu kann dabei helfen, den Zugang zu Wissen zu strukturieren und sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Genau das macht die Freimaurerei auch im schnelllebigen 21. Jahrhundert attraktiv.

 

 

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